Orientierung für Eltern und Fachpersonen: Willkommen auf der Plattform www.manosphere.ch der Fachstelle männer.ch
Medienkompetenz und Gewaltprävention, Gleichstellung und sexuelle Bildung verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Jungs in den Sog der Manosphere geraten. Dies ist alles vermittelbar. Es verlangt aber nach Ressourcen und konfrontiert auch uns Erwachsene mit anspruchsvollen Fragen.
Nutzung bestimmter Begriffe und Codes. Dazu zählen:
Übernahme männerrechtlerischer Denkfiguren, die beklagen, dass Männer ungerecht behandelt werden und heute das eigentlich benachteiligte Geschlecht seien.
Zunehmende Verlagerung der Freizeit-Aktivitäten in den digitalen Raum. Das können allgemein zugängliche Plattformen (z.B. TikTok, YouTube, Instagram oder Reddit), «geschlossene» Diskussionsgruppen (z.B. auf Telegram, Grab und Discord) und insbesondere auch Games und Gaming-Foren (z.B. Discord, Twitch, Steam, DLive) sein.
Offene, wertschätzende Gespräche über Online-Erfahrungen und Zugehörigkeitsbedürfnisse führen. Zentrale Regeln:
Eltern, familiäre Bezugspersonen und Fachkräfte sollten Massnahmen und/oder externe Unterstützung anregen und dranbleiben. Auch wenn Sie viele Warnsignale wiedererkennen: Überstürzen Sie nichts und überlegen Sie in Ruhe, welche Schritte passend sein könnten. Beziehen Sie nach Möglichkeit Fachpersonen (z.B. Schulsozialarbeit) und/oder Vertrauenspersonen bei. Eltern und Fachpersonen im Kanton Zürich können auch unser kostenloses und anonymes Beratungsangebot nutzen.
Wutausbrüche und Gewaltfantasien
Normalisierung sexistischer Äusserungen und abwertender Aussagen über Frauen und «schwache» Männer. Auf Widerspruch wird nicht mehr sachlich reagiert.
Konkrete Grenzverletzungen (z.B. die Lehrerin fragen, mit vielen Männern sie schon Sex hatte).
Anzeichen einer antisozialen Persönlichkeitsstörung:
Symbolische Bezugnahme auf Personen, die Mehrfachtötungen verübt haben, beispielsweise durch das Teilen und Kommentieren von Tätermanifesten, -videos und/oder -zitaten mit zustimmenden oder verherrlichenden Begriffen (z.B. «Supreme Gentleman» oder «SG» als Referenz auf Elliot Rodger)
Toxisches Verhalten in romantischen Beziehungen (z.B. extreme Eifersucht, Überwachung der Partnerin etc.)
Berichte von «Aussteigern» suchen und nutzen. Beim «Ausstieg» auch ganz konkrete Unterstützung anbieten und/oder zugänglich machen.
Erfahrungen in der analogen Welt anregen und erleichtern (bei Minderjährigen einfordern). Selbstregulation und -begrenzung von Online-Aktivitäten unterstützen. Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglichen.
Aufzeigen, dass männlichkeitsideologische Radikalisierung persönlichen Schaden anrichtet (z.B. «Tut es dir wirklich gut, soviel Hass auf Frauen zu haben?»).
Aufzeigen, welche konkreten Vorteile ganzheitlichere Gestaltungen von Männlichkeit haben (beispielsweise mit Blick auf Beziehungsqualität, Gesundheit, soziale Einbettung, Lebenszufriedenheit etc.).
Eltern, familiäre Bezugspersonen und Fachkräfte sollten unverzüglich eine spezialisierte Fachstelle, die Notfallpsychiatrie oder das polizeiliche Bedrohungsmanagement kontaktieren.
Bei folgenden Alarmsignalen sollten Eltern und Fachpersonen die Polizei oder das kantonale Bedrohungsmanagement involvieren. Das ist noch keine polizeiliche Meldung oder Anzeige. Das Beratungsgespräch soll ohne Nennung der Betroffenen eine Problematik schildern.
Eine schweizweite Übersicht der Fachstellen für Gewaltbetroffene findet sich hier.
Eine Forschungsgruppe um Dr. Fiona O’Rourke beschreibt in einer Publikation der Universität Dublin31 folgende Charakteristika, die Anzeichen für eine problematische Beschäftigung mit der Manosphere darstellen:
Ein Teil der Manfluencer verknüpft Männlichkeit mit der Forderung, ein «richtiger Mann» müsse Sex mit möglichst vielen Frauen haben. Es gibt aber auch die Gegenerzählung: Ein «richtiger Mann» lässt sich nicht von Oberflächlichkeiten leiten und enthält sich sexuell, bis er eine Beziehung mit einer loyalen, «reinen», ihn respektierenden Frau eingeht. Diese Erzählung ist insbesondere an die Denkfiguren neurechter Traditionalisten und Evangelikaler anschlussfähig.