Orientierung für Eltern und Fachpersonen: Willkommen auf der Plattform www.manosphere.ch der Fachstelle männer.ch
Die heutige Generation junger Männer wächst in einen gesellschaftlichen Umbruch hinein. Sie hat wie die Männergenerationen vor ihnen im Lauf ihrer Sozialisation den Glauben verinnerlicht, dass Männer soziale und emotionale Kompetenzen vernachlässigen dürfen und trotzdem Anspruch auf eine überlegene Position in Familie, Gesellschaft und Arbeitswelt haben. Nun begegnen sie einer Welt, die sich aus ihrer patriarchalen Prägung zu lösen versucht und dieses «Versprechen» nicht mehr zu halten bereit ist.
In dieser Welt wird «Männlichkeit» nicht verehrt, sondern problematisiert, weil die Ausrichtung an dysfunktionalen Männlichkeitsanforderungen erwiesenermassen Gewalt begünstigt und Gesundheit gefährdet. Nicht alle junge Männer suchen in diesem Umbruch nach neuen Wegen, um fair und gern Mann zu sein. Es ist sogar eine Mehrheit, die sich in ihrer Verunsicherung an patriarchale Männlichkeitsbilder klammert. Viele fühlen sich betrogen und in Selbstwert und Männlichkeit bedroht. Weil sie glauben, es sei «unmännlich», sich dem schmerzhaften Gefühl von Betrug und Beschämung zuzuwenden, können sie die Entwicklungschance nicht packen. Stattdessen reagieren sie mit Rückzug und Ressentiment. Soziale Medien und Games versorgen junge Männer unablässig mit Botschaften, die ihre Wut schüren und männlichkeitsideologische Radikalisierung befördern.
Jungenkompetenz in der pädagogischen Arbeit bedeutet in dieser Situation, ermutigend und konfrontierend zugleich zu wirken.39 Jungenarbeit sollte vermitteln40 (24ff), dass es nicht darum geht, «richtig» Mann zu sein oder genau so Mann zu sein wie alle anderen. Sie begleitet Jungen vielmehr auf dem Weg, die individuell passende Nische zu finden, in der sie «gut genug» Junge oder Mann sein lernen können. Sie fragt dabei kontinuierlich nach, welche Entwicklungsmöglichkeiten und -angebote Jungs mit geringeren (intellektuellen, sozialen, emotionalen) Ressourcen offenstehen.
Die pädagogische Arbeit mit Jungen sollte Bruchlinien bearbeiten. Denn Männlichkeitsanforderungen wandeln sich. Nicht ihre Unerfüllbarkeit ist neu, sondern die innere Widersprüchlichkeit (dass z. B. sexistische Sprüche in gewissen Settings erwünscht/notwendig und in anderen geächtet sind). Dadurch werden Doppelbotschaften an Jungen adressiert: Du musst sowohl dies wie auch das Gegenteil davon erfüllen. Doppelbotschaften führen fast unvermeidbar zu Orientierungslosigkeit und Verwirrung (auch wenn nicht alle Jungen dies in den gleichen Situationen und zum gleichen Zeitpunkt so erleben).
Die pädagogische Arbeit mit Jungen sollte auch einen angemessenen Umgang mit Ohnmachts- und Versagensgefühlen vermitteln. Im besten Fall kann sie Scheitern als Chance und Ohnmachtserfahrungen als Ressource fruchtbar machen. Dafür muss sie bessere Angebote machen als Radikalisierung und Resouveränisierung. Diese Angebote dürfen fordernd sein.
Nie zuvor standen Männer in unserer Gesellschaft so in der Kritik wie heute.
«Buben, die ihre Emotionen nicht spüren können, haben es schwer».
Damit Lehrkräfte und andere erwachsene Bezugspersonen von Jungen und männlichen Jugendlichen das leisten können, brauchen sie Kompetenzen. Bernard Könnecke von der Fachstelle Dissens41 fordert in einem Artikel über Jungenarbeit in der Schule (65) von ihnen, «ihre eigenen Haltungen dahingehend zu entwickeln, dass sie: