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Wissen/

Strategien

Die Wortführer in der Manosphere – sogenannte Manfluencer – holen Jungs in ihrer Unsicherheit darüber ab, was Mannsein heute bedeutet. Indem sie das Gefühl bedrohter Männlichkeit verstärken, binden sie junge Männer emotional.

Gefühle

herunterschlucken

Die Botschaften aus der Manosphere unterbreiten (jungen) Männern Identitätsangebote. Viele Jungs leiden unter Gefühlen von Verunsicherung, Beschämung und Bedrohung. Weil solche Gefühle als «unmännlich» gelten, bleiben sie unausgesprochen. In dieser Situation ist das in der Manosphere vermittelte Leitbild einer naturgegeben dominanten Männlichkeit hochattraktiv.
Manfluencer sprechen dabei Probleme an, die tatsächlich existieren (z. B. die zunehmende Schwierigkeit von Jungs, in der schulischen Entwicklung mit Mädchen mitzuhalten oder Zukunftsängste, wie sie Künstliche Intelligenz, Krieg oder Klimakrise hervorrufen). Ihre «Lösungen» sind aber unterkomplex und nicht nachhaltig. Wenn Jungen beispielsweise Fleiss und schulischen Erfolg als «unmännlich» abwerten, stehen sie sich selbst im Weg. Je verunsicherter und ressourcenärmer Jungs sind, umso anfälliger sind sie für diese Angebote. Die Manosphere ist aber längst nicht für alle Jungen und jungen Männer Bezugspunkt und Sehnsuchtsort. Viele verfügen über eine hohe Kompetenz zur kritischen Wahrnehmung und Einordnung von Manfluencer-Beiträgen. Diese wird in der Fachliteratur als Manfluencer-LiteracyManfluencer-Literacy: Kompetenz, die (Verkaufs-)Strategien, Tricks und Kniffs von Manfluencern zu verstehen, einzuordnen und zu durchschauen. Dazu gehört auch die Kompetenz, gezielt genutzte Ästhetiken, Inszenierungen und Codes zu durchschauen, sowie die Aufmerksamkeit zu schulen, wie Begriffe eingesetzt, (um)gedeutet und Botschaften transportiert werden (vgl. Punkt 2 der Handlungsempfehlungen für politische Medienbildung im Kontext von Demokratien im Wandel).   beschrieben.

Sehnsucht nach Empowerment

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Idealisierte Männlichkeit

In einer Gesellschaft, in der die «toxischen» Aspekte patriarchaler Männlichkeitsnormen häufig problematisiert werden, mangelt es Jungs an positiven Rollenmodellen. Manfluencer machen ihnen ein leicht zugängliches und vordergründig widerspruchsfreies Angebot, indem sie patriarchale Männlichkeitsbilder als Natur und Ideal anpreisen.

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Anwaltschaftlichkeit

Jungen und junge Männer wachsen in einer Gesellschaft auf, welche die Emanzipation und Entwicklung von Mädchen und Frauen gezielt fördert. Das ist eine historische Notwendigkeit. Wenn Jungs der historische Kontext nicht bewusst ist, fühlt sich das aber schnell unfair an. Manfluencer bedienen ihre Sehnsucht nach Stimmen, die Männer empowern, Infragestellungen abwehren und Männlichkeit feiern. Weil viele Jungs mit ihren Fragen allein bleiben, können Manfluencer dieses Vakuum leicht füllen. Die Wurzeln der Geschlechterproblematik und die realen Spannungsfelder, in denen sich Jungen und Männer heute bewegen, bleiben aber unbearbeitet.

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Emotionales Verständnis

Manfluencer bemühen sich, die Probleme von männlichen Jugendlichen und jungen Männern zu verstehen. Sie verstärken ihren Eindruck, dass Männer immer mehr unter die Räder geraten. Sie nähren ihr Gefühl bedrohter Männlichkeit. Und sie schenken ihnen Mitgefühl für (tatsächliche und vermeintliche) Diskriminierungserfahrungen. Danach haben viele männliche Heranwachsende eine grosse Sehnsucht.