Orientierung für Eltern und FachpersonenWillkommen auf der Plattform www.manosphere.ch der Fachstelle männer.ch

WISSEN/

IDEOLOGIEN

Wie man(n) heute gut und gern Mann sein kann, ist eine berechtigte Frage. Die Ideologen der Manosphere behaupten fälschlicherweise, dass sie sich nur stellt, weil «der» Feminismus Naturgesetze missachtet und Frauen Männer unterjochen wollen.

SELBSTBEWUSST UND

ANZIEHEND

Die Manosphere hat viele Gesichter. Nicht alle sind unsympathisch. Das Selbstbewusstsein vieler ManfluencernManfluencern: Manfluencer sind in den sozialen Medien präsente Männlichkeitscoaches, die Philosophien und Dienstleistungen rund um das Thema Mannsein anbieten. Neben dem Bereich des Flirt- und Beziehungscoachings sind vor allem die Themen Muskeln, Gesundheit, Status, Geld(anlagen) und Karriere zentral. Leitmotiv ist die neoliberal-individualistische Idee, dass sich Männer durch bewusste Performanz von «Männlichkeit» selbst optimieren können und müssen – und erst damit Erfolg und Zufriedenheit erreichen.   wirkt anziehend und ansteckend. Problematisch sind die Inhalte der Manosphere, wenn und weil sie, oft unterschwellig, behaupten:
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Männer würden diskriminiert

Die Gesellschaft entwerte eine vermeintlich echte, urtümliche und/oder naturgegebene Männlichkeit. Das zeige sich in der Diskriminierung und Benachteiligung von Männern ebenso wie in der gesellschaftlich-medialen Problematisierung «toxischer» Männlichkeit. Das fördere die Verweichlichung und Verweiblichung von Männern.

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Die Frauen seien schuld

Frauen, Feminismus, Gleichstellung und/oder Gender-Ideologie seien schuld an dieser Dynamik: Sie sollen diese bewusst befeuern, profitierten davon und müssten (und dürften) deswegen bekämpft werden.

Damit richten die Denkfiguren der Manosphere ein attraktives Angebot an alle Männer, die sich benachteiligt fühlen und/oder tatsächlich an den Rand gedrängt werden. Sie bieten eine Deutung an, dass jemand anders verantwortlich ist für eigene Verunsicherungs- und Bedrohungsgefühle. Durch dieses Nach-aussen-Wenden gewinnen diese Männer Sicherheit. Gleichzeitig werden dadurch Frauenfeindlichkeit und Gewaltfantasien legitimiert und angeheizt. Im Lauf der 2010er-Jahre wurden die Denkfiguren der Manosphere immer stärker von den Akteuren der neuen Rechten (z. B. Altright-BewegungAltright-Bewegung: Altright (für den deutschen Sprachraum eher: Neue Rechte) Sammelbegriff für politische Strömungen am äussersten rechten Rand, die Vorstellungen männlicher, christlicher und weisser Vorherrschaft vertreten. Diese sind in den USA mit der Präsidentschaft Donald Trumps (2016-2020 und seit 2024) mehrheitsfähig geworden.  in den USA) aufgenommen und verstärkt. Veronika Kracher bezeichnet «MännerrechtsaktivismusMännerrechtsaktivismus: (für Personen: Maskulisten/Maskulinisten oder Männerrechtler). Weltanschaulich-ideologische Strömung, die (weisse heterosexuelle cis) Männer als betrogenes Geschlecht und Verlierer der weiblichen Emanzipationsbewegung betrachtet. Männerrechtler (in der Literatur oft abgekürzt mit MRA = Men’s Rights Activists) nehmen für sich in Anspruch, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten und sehen es dabei als ihre Aufgabe, (vermeintliche) Benachteiligungen von Männern anzuprangern. Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und sehr selektiv angewendeten Gleichstellungsbegriff voraus.  als DIE Einstiegsdroge in rechtsradikales Denken»2 . Die Manosphere gilt als zentraler Rekrutierungsraum für rechtsextreme Akteure weltweit.3

Manosphere = Internet

Die Geschichte der Manosphere ist untrennbar mit der Verbreitung des Internets verbunden. Dadurch entstand die Möglichkeit für Personen mit spezifischen Interessen, sich global mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das beförderte auch die Vernetzung radikaler und extremistischer Bewegungen. «Foren bieten einen sicheren Raum für ideologischen Austausch, während die grossen sozialen Medien zur Verbreitung des Gedankenguts genutzt werden»4.

Der Begriff «Manosphere» ist 2009 als Selbstbezeichnung in einem Blog gleichen Namens erstmals aufgetaucht. Über das Buch «The Manosphere: A New Hope for Masculinity»5 popularisierte sich der Begriff und fand Eingang in die wissenschaftliche Diskussion6. Ironwoods Buch benennt die bis heute zentralen Denkfiguren männlichkeitsideologischer Radikalisierung:

  • die Idee einer Verschwörung gegen Männer, die aufgedeckt werden muss
  • das Wahrnehmen einer gesellschaftlichen Entwertung traditioneller Männlichkeit
  • die Behauptung einer feministischen Herrschaft und die Unterstellung, dass Männer deswegen keine Männer mehr sein dürfen (sondern sich Frauen und ihren Imperativen unterwerfen müssen)
  • der Wunsch nach einer Wiederbelebung männlicher Stärke, Identität und Rollensicherheit
  • die Vorstellung von Männern und Frauen als andersartige Wesen, die sich als je Komplementäre ergänzen
  • die Vorstellung einer natürlichen Bestimmung von «Männlichkeit», die als Gegenentwurf zu «Weiblichkeit» gedacht wird und eine Abwertung von Frauen und «unmännlichen» Männern nahelegt
  • die Selbstwahrnehmung als überlegte und überlegene Männer, die mutigen Widerstand leisten.

Diese Erzählung leidet unter dem Denkfehler, dass die heutige gesellschaftliche Situation vom historischen Kontext isoliert wird. Die tiefe patriarchale und kapitalistische Prägung unserer heutigen Gesellschaftsordnung wird ausgeblendet. Stattdessen wird so getan, als sei die Gesellschafts- und Geschlechterordnung von heute Resultat einer feministischen Herrschaft, die sich mit der zweiten Welle der Frauenbewegung ab den 1968er-Jahren entwickelt habe. Diese Annahme ist wissenschaftlich unhaltbar.

FRAGEN

Die Manosphere wirft viele Fragen auf und verunsichert Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte gleichermassen. Gerne möchten wir Ihnen möglichst konkrete Antworten, Einordnungen und Orientierungshilfen für den Umgang mit Inhalten, Haltungen und Dynamiken der Manosphere im Alltag und im Gespräch mit Jungen und jungen Männern bieten.