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80/20-Regel × Algorithmen × Alpha-Männlichkeit × Altright × Andrew Tate × Androzentrismus × Antifeminismus × Banter × Betas × Binäre Geschlechterordnung × Black Pill × Chads × Cis × Doing Gender × Emojis × Essentialismus × Feminismus × Gender × Gender Bias × Geschlechterreflektiert × Gynozentrismus × Hater × Hegemoniale Männlichkeit × Heteronormativität × Homophobie × Homosozialität × Incels × Intersektionalität × Jordan Peterson × Kill-Scoring × LDAR × Male supremacy × Manfluencer × Manfluencer-Literacy × Manosphere × Mannsein × Männliches Selbstverhältnis × Männlichkeit × Männlichkeitsstress × Männerarbeit × Maskulismus × Männerrechtsaktivismus × Maxxing × Memes × MGTOW × Misogynie × Pick-up Artists × Progressiv × Red Pill × Sigma Male × Sigma Boy × Simping x Sozialisation × Stacys × Supreme Gentleman × Toxische Männlichkeit × Tradwives × Trans × Zero Sum
Eine für die Weltanschauung der Incels zentrale Denkfigur, wonach sich 80% der Frauen für die 20% der attraktivsten Männer interessieren (und die anderen 80% der Männer um die Aufmerksamkeit der weniger attraktiven 20% kämpfen oder allein bleiben müssen). Daran sei der Feminismus als heutzutage (vermeintlich) dominierende Ideologie schuld. Dass Frauen in der Partnerwahl einseitig auf das Aussehen fixiert sind und traditionell «männliche» Eigenschaften bevorzugen, lässt sich empirisch nicht bestätigen.
Algorithmen (Singular: Algorithmus) sind von Menschen programmierte Anleitungen, die Computerprogramme steuern und definieren, was diese in welchen Situationen und in welcher Reihenfolge tun müssen. In sozialen Medien kommen Algorithmen als Empfehlungssysteme zum Einsatz, die darüber bestimmen, welche Beiträge Nutzenden in ihrem persönlichen Newsfeed vorgeschlagen werden. Über Algorithmen lässt sich ihr Nutzungsverhalten beobachten und beeinflussen. Die Problematik besteht darin, dass auf TikTok & Co. Algorithmen vor allem Inhalte verstärken, die viele Interaktionen (Views, Likes, Kommentare) hervorrufen. Das setzt Anreize, in sozialen Medien möglichst emotionalisierende Beiträge und polarisierende Positionen zu veröffentlichen, um damit Reichweite zu erzielen. Deswegen gelten Algorithmen als Treiber von Radikalisierung, Polarisierung und Hassrede.
Alpha-Männlichkeit ist eine in der Manosphere gebräuchliche Kurzformel für Leitvorstellungen von Männlichkeit, die von Männern Dominanz und Durchsetzungsvermögen, Härte und Stärke, Souveränität und Unabhängigkeit einfordern. Hypermaskulinität ist ein eng verwandtes Konzept.
Altright (für den deutschen Sprachraum eher: Neue Rechte) Sammelbegriff für politische Strömungen am äussersten rechten Rand, die Vorstellungen männlicher, christlicher und weisser Vorherrschaft vertreten. Diese sind in den USA mit der Präsidentschaft Donald Trumps (2016-2020 und seit 2024) mehrheitsfähig geworden.
Andrew Tate ist ein ehemaliger Kickboxer, der auf Social Media mit frauenfeindlichen Aussagen und hypermaskuliner Selbstinszenierung milliardenfache Reichweite erzielt. Über das Portal «The Real World» verkauft er Kurse, wie man schnell reich wird. Tate gilt als Prototyp eines Manfluencers. Er sieht sich mit verschiedenen strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert (Vergewaltigung, Menschenhandel, Steuerdelikte).
Androzentrismus beschreibt den Umstand, dass in patriarchal geprägten Gesellschaften ›das Männliche‹ (z. B. der männliche Blick oder der männliche Körper) die Norm darstellt, ohne dass diese Setzung thematisiert, hinterfragt und/oder sichtbar gemacht wird. Pierre Bourdieu spricht deshalb auch vom ›androzentrischen Unbewussten‹.20 Die männliche Perspektive gilt als neutral und universal, die weibliche Perspektive dagegen als Abweichung und Sonderfall. Der Gegenbegriff ist Gynozentrismus. Weil der gesellschaftliche Androzentrismus in patriarchal geprägten Gesellschaften wie unserer noch nicht bearbeitet wurde, übernehmen viele Jungen im Lauf ihres Aufwachsens eine androzentrische Anspruchshaltung (und meinen fälschlicherweise, als Jungen resp. Männer einen legitimen Anspruch auf ein «grösseres Stück vom Kuchen» zu haben).
Weltanschaulich-ideologische Strömung, die sich in der (empirisch unhaltbaren) These verankert, das Staatswesen sei von männerverachtenden Feministinnen unterwandert, die es darauf anlegen, mittels Umerziehung, Propaganda und Stigmatisierung ›Andersdenkender‹ eine widernatürliche (egalitäre) Geschlechterordnung einzuführen.
(engl. für Geplänkel, Frotzelei) Beschreibung einer in der Manosphere gängigen Qualität des neckenden, ironischen und provozierenden Austauschs unter Jungen und Männern. Diese stellt Zugehörigkeit her, indem sie mit Ab- und Ausgrenzung operiert und häufig mit frauenfeindlichen Inhalten verbunden ist. Die Ironisierung dient auch der Distanzierung («Ist ja nur Spass»). Dazu Franziska Schutzbach kritisch (im Kontext PUAs): «Angeboten wird (...) eine verharmlosende Meta-Position der Ironisierung und Relativierung, mit der letztlich eine aggressive oder gar Gewalt legitimierende Männlichkeit normalisierbar wird. Anders gesagt: Weil es angeblich ‚nur‘ ein Spiel ist, kann man sich selbstbewusst als Sexist bezeichnen und sich als solcher verhalten. Salonfähig wird eine Männlichkeit, die nicht trotz, sondern wegen ihrer unverhohlenen Frauenverachtung und übergriffigen Haltung attraktiv ist.»21
In der Incel-Subkultur gebräuchliche Bezeichnung für mittelmässig attraktive Männer. Becky ist die entsprechend Chiffre für eine durchschnittlich attraktive Frau. Betas und Beckies werden auch als Normies bezeichnet.
Binäre Geschlechterordnung bezeichnet die kulturell verwurzelte, aber wissenschaftlich widerlegte Annahme, dass alle Menschen eindeutig einer der beiden Kategorien Frau oder Mann zugehören (müssen). Geschlechtliche Vielfalt hat in einer zweigeschlechtlichen Perspektive weder Platz noch Berechtigung.
Die Black Pill-Ideologie ist das «nihilstischere Derivat» (Kracher 2020, 11) der Red Pill-Ideologie. Den Übergang markiert die Frage, ob die vermeintlichen Ungerechtigkeiten, die Männern widerfahren, durch eigenes Tun (beispielsweise den Erwerb sozialer und emotionaler Kompetenzen) veränderbar sind. Anhänger der Black Pill-Ideologie haben sich mit ihrem «Schicksal» abgefunden und die Hoffnung auf romantische Partnerschaften aufgegeben (Speckhard et al. 2021). 22
In der Incel-Subkultur gebräuchliche Bezeichnung für Männer, die angeblich dank ihrer körperlich-genetischen Ausstattung freie Wahl auf dem Sex- und Beziehungsmarkt haben.
Lateinisch für «diesseits», bezeichnet Menschen, bei denen Geschlechtsidentität und Geschlechtskörper übereinstimmen. Cis ist das Gegenteil von trans.
Doing Gender bezeichnet den Prozess, wie wir alle Geschlecht im Alltag fortlaufend herstellen, indem wir uns so verhalten, wie es kulturell von einer Person unseres Geschlechts erwartet wird und wir selbst es als passend für unsere Geschlechtsidentität erleben. Geschlecht ist in dieser Perspektive kein Bündel an Eigenschaften, sondern eine fortlaufende Konstruktion. Durch diese Betrachtungsweise entstehen Freiheitsgrade, Geschlecht anders als bisher zum Ausdruck zu bringen.
Emojis wie die rote Pille, das 100-Emoji (in Anlehnung an die 80/20-Regel) oder das Wolf-Emoji (als Symbolbild für einen Alphamann) können Zugehörigkeit und Zustimmung zu den Botschaften der Manosphere signalisieren.23 Ihre Bedeutungen sind aber vieldeutig und können sich schnell verändern. Vorsicht bei der Interpretation ist angezeigt.
Essentialismus beschreibt die Überzeugung, das biologische Geschlecht (sex) präge, bestimme und erkläre das soziale Geschlecht (gender) abschliessend. Daraus ergibt sich die Vorstellung einer natur- und/oder gottgegebenen Geschlechterordnung mit einer grundsätzlichen Andersartigkeit der Geschlechter. Das Fundament essentialistischer Geschlechtervorstellungen bilden Mythen, die gern – unzulässigerweise – als Gesetzmässigkeiten der (Natur-)Wissenschaft oder zumindest des gesunden Menschenverstands dargestellt werden. Was ein «richtiger Mann» und «eine richtige Frau» ist, sei durch Natur und/oder Gott vorgegeben. Spielräume und Übergänge sind keine vorgesehen. Mannsein und Frausein werden dadurch ihrer Gestaltbarkeit beraubt.
Sammelbegriff für eine grosse Bandbreite erkenntnistheoretischer Ansätze und zivilgesellschaftlicher Strömungen. Sie sind verbunden sind in der Einsicht, dass Geschlecht eine zentrale Ordnungskategorie darstellt, die Herrschaftsinteressen dient, individuelle Freiheitsgrade einschränkt und gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse reproduziert. Diese Mechanismen zementieren eine strukturelle Privilegierung des Männlichen, unter der Frauen, Andersgeschlechtliche, Anderssexuelle, aber auch viele Männer leiden.
Englischer Ausdruck für die soziale Dimension des Geschlechtlichen resp. das soziale Geschlecht. Es wird in Abgrenzung zum Begriff Sex verwendet, der das biologische Geschlecht bezeichnet. Die deutsche Sprache kennt keine vergleichbare Unterscheidung. Deshalb hat sich der Begriff Gender als Leihbegriff auch in der deutschen Sprache etabliert.
Gender Bias bezeichnet die unbewusste Bereitschaft, Wahrnehmungen so zu verarbeiten, dass sie geschlechterstereotypen Erwartungen entsprechen.
Geschlechterreflektiert ist der Oberbegriff für geschlechtersensibles (gender sensitive) und geschlechtertransformatives (gender transformative) fachliches Wirken.
Gynozentrismus bezeichnet die Fokussierung auf Perspektiven und Anliegen von Frauen. Er wird vor allem als antifeministischer Kampfbegriff von Männern verwendet, die sich als Emanzipationsverlierer sehen und Frauen – entgegen aller Empirie – als Profiteure des Patriarchats darstellen. Sie behaupten einen gesellschaftlich und staatlich verankerten Gynozentrismus und Männerhass (Misandrie).
Hater (deutsch: Hasser) Sammelbegriff für Personen, die Unbehagen, Wut und Hass mit derb-abwertenden Aussagen über Personen des öffentlichen Lebens (überzufällig oft Frauen) in den sozialen Medien zum Ausdruck bringen.
Hegemoniale Männlichkeit ist ein Konzept der kritischen Männlichkeitenforschung, das von der australischen Soziologin Raewyn Connell eingeführt wurde24 und das Fachgebiet stark geprägt hat. Hegemoniale Männlichkeit ist weniger kulturelles Leitbild von Männlichkeit als eine dynamische Organisationsform männlicher Herrschaft. Es geht Connell also um eine machttheoretische Betrachtung von Männlichkeit, und weniger um die Beschreibung, welche Männlichkeitsattribute in einer bestimmten Gesellschaft und Epoche dominieren.
Heteronormativität bezeichnet die gesellschaftliche Normalitätserwartung, dass Männer Frauen und Frauen Männer begehren. Alle anderen Formen des Begehrens erscheinen in dieser Optik als Abweichung oder sogar als Krankheit. Deshalb ist Heteronormativität untrennbar mit Homophobie verbunden.
Homophobie bezeichnet die Angst vor Homosexualität und die bis zu offenem Hass reichende Abneigung gegenüber Homosexuellen.
Neigung, sich (aus nicht-sexuellen Motiven) mit Personen des gleichen Geschlechts zu umgeben. In der Regel wird der Begriff als Adjektiv benutzt: Wenn in der Männlichkeitenforschung beispielsweise von «homosozialem Druck» die Rede ist, bezeichnet dies den Umstand, dass Männer gegenseitig die Einhaltung von Männlichkeitsnormen überwachen und einfordern.
Abkürzung für Involuntary Celibates (deutsch: unfreiwillig Alleinstehende oder unfreiwillig Sexlose). Diesen Begriff nutzt ein bestimmtes Milieu von psychisch stark belasteten (jungen) Männern zur Selbstbeschreibung. Sie deuten Rückweisungen durch Frauen und ihre damit verbundenen Kränkungen als Resultat einer widernatürlichen Umkehrung der vermeintlich naturgegebenen Geschlechterordnung. Daran schuld seien Frauenemanzipation und Feminismus. Das Phänomen ist primär im virtuellen Raum (Manosphere) verankert, führt aber auch zu ganz realen Gewalttaten.
Das Wort Intersection bezeichnet im Englischen eine (Strassen-) Kreuzung. In der Geschlechterforschung ist mit der Forderung nach Intersektionalität das Anliegen verbunden, Mehrfachbenachteiligungen sichtbar zu machen und zu differenzieren, da Diskriminierung – wie an einer Kreuzung – in mehrere Richtungen verlaufen kann. So kann beispielsweise die Diskriminierung einer Schwarzen Frau sowohl sexistisch wie auch rassistisch motiviert sein25.
Jordan Peterson ist ein kanadischer Psychologe, Autor, Aktivist und emeritierter Professor. Er hat in den 2010er-Jahren Männlichkeitsideologien und die Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen insbesondere unter jungen weissen Männern breitenwirksam popularisiert. Dadurch gilt er als Vordenker und früher Protagonist der Manosphere.
Kill-Scoring (auch: Body Count Ranking) Die Anzahl der eliminierten Gegner (oder anderer Ziele) in Games wird gezählt und offensiv kommuniziert, um damit Status und «Männlichkeit» zu demonstrieren.
LDAR steht für «Lie Down And Rot» und beschreibt im Incel-Milieu die Haltung, sich der vermeintlich ausweglosen sozialen oder sexuellen Situation zu ergeben. LDAR ist eine Art nihilistische oder fatalistische Reaktion, die ausdrückt, dass man keine Veränderung anstrebt, sondern sich dem Schicksal fügt (Black Pill).
Male supremacy bezeichnet den ideologischen Glauben an eine genetische und gesellschaftliche Überlegenheit von cis Männern. Daraus wird der Anspruch und das Recht auf Unterwerfung von Frauen und Mitgliedern der LGBTQI+-Community abgeleitet.
Manfluencer sind in den sozialen Medien präsente Männlichkeitscoaches, die Philosophien und Dienstleistungen rund um das Thema Mannsein anbieten. Neben dem Bereich des Flirt- und Beziehungscoachings sind vor allem die Themen Muskeln, Gesundheit, Status, Geld(anlagen) und Karriere zentral. Leitmotiv ist die neoliberal-individualistische Idee, dass sich Männer durch bewusste Performanz von «Männlichkeit» selbst optimieren können und müssen – und erst damit Erfolg und Zufriedenheit erreichen.
Kompetenz, die (Verkaufs-)Strategien, Tricks und Kniffs von Manfluencern zu verstehen, einzuordnen und zu durchschauen. Dazu gehört auch die Kompetenz, gezielt genutzte Ästhetiken, Inszenierungen und Codes zu durchschauen, sowie die Aufmerksamkeit zu schulen, wie Begriffe eingesetzt, (um)gedeutet und Botschaften transportiert werden (vgl. Punkt 2 der Handlungsempfehlungen für politische Medienbildung im Kontext von Demokratien im Wandel).
Sammelbegriff für die virtuellen Räume und Diskurse jener Männer, die Vorstellungen einer naturgegebenen Männlichkeit vertreten und verteidigen, sich in ihrem Anspruch auf männliche Überlegenheit bedroht fühlen und den Frauen, dem Feminismus und/oder der Gleichstellung die Schuld daran geben.
bezeichnet den Umgang jedes einzelnen Mannes mit gesellschaftlichen Männlichkeitsanforderungen. Menschen mit männlicher Geschlechtsidentität sind verbunden im Zwang, sich in der einen oder anderen Weise zu Männlichkeitsanforderungen zu verhalten (männliches Selbstverhältnis).
Männliches Selbstverhältnis beschreibt die Beziehung zwischen einem Mann (Mannsein) und den gesellschaftlich dominanten Männlichkeitsanforderungen (Männlichkeit). Die Entwicklung eines männlichen Selbstverhältnisses wird als kontinuierlicher Lernprozess verstanden. Weil Mannsein und Männlichkeit zwei verschiedene Dinge sind, ist das männliche Selbstverhältnis gestaltbar: Man(n) kann so oder auch anders Mann sein. Das ist eine zentrale Präventions- und Ermutigungsbotschaft an Jungen und Männer.
Männlichkeit bezeichnet die sozialen und kulturellen Anforderungen und Normen, die ein Mann erfüllen muss, um als ›männlich‹ zu gelten. Mannsein bezeichnet demgegenüber den konkreten Lebensentwurf einzelner Männer. Mit Begriffen wie Männlichkeitsanforderungen, Männlichkeitsnormen, Männlichkeitsimperativen, Männlichkeitskorsetten und Männlichkeitsvorgaben wird der normative Charakter von Männlichkeit betont. Sie werden synonym verwendet. Der Begriff toxische Männlichkeit ist im öffentlichen Diskurs gebräuchlich, um die problematischen Seiten gesellschaftlicher Männlichkeitsanforderungen hervorzuheben. Weil er (ab)wertend wirkt, wird er von Fachpersonen kaum verwendet. Wissenschaftlich gesichert ist der Umstand, dass Männlichkeitsanforderungen gewalttätiges und gesundheitsgefährdendes Verhalten von Männern begünstigen.
(engl. masculine discrepancy stress, masculinty anxiety oder masculine anxiety) bezeichnet das Stresserleben von Männern, die in ihrer subjektiven Wahrnehmung gesellschaftlichen Männlichkeitsanforderungen nicht zu genügen vermögen.
Männerarbeit wird als Sammelbegriff für jene fachliche Praxis verwendet, in der Fachleute mit Jungen, Männern und Vätern geschlechterreflektiert an Identitäts- und Entwicklungsfragen arbeiten. Geschlechterreflektierte Männerarbeit bezeichnet dabei «die fachliche Begleitung von Jungen, Männern, Vätern, älteren Männern und Grossvätern zur Stärkung ihrer Beziehungs- und Lebenskompetenzen mit dem indirekten Ziel, ihre konstruktive Beteiligung bei der Schaffung gerechter Geschlechterverhältnisse zu ermöglichen».26
Maskulismus oder Maskulinismus resp. Männerrechtsaktivismus (für Personen: Maskulisten/Maskulinisten oder Männerrechtler). Weltanschaulich-ideologische Strömung, die (weisse heterosexuelle cis) Männer als betrogenes Geschlecht und Verlierer der weiblichen Emanzipationsbewegung betrachtet. Männerrechtler (in der Literatur oft abgekürzt mit MRA = Men’s Rights Activists) nehmen für sich in Anspruch, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten und sehen es dabei als ihre Aufgabe, (vermeintliche) Benachteiligungen von Männern anzuprangern. Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und sehr selektiv angewendeten Gleichstellungsbegriff voraus.
Subkultureller Oberbegriff für Versuche, bestimmte Aspekte der eigenen Erscheinung zu optimieren. Looksmaxxing beschreibt Versuche, sein Aussehen zu verbessern. T-Maxxing beschreibt Versuche, den eigenen Testosteronlevel zu steigern. Maxxing kann extreme Formen annehmen (beispielsweise das Brechen von Kieferknochen, um den Kiefer markanter und die Wangen hohler erscheinen zu lassen) und die Gesundheit gefährden (beispielsweise durch die Einnahme von Anabolika und anderen Testosteron-steigernden Substanzen).
Memes sind digitale Medieninhalte, die Botschaften über die Kombination von Bild, Text und Sound verbreiten. Memes sind in der Regel witzig oder satirisch gemeint. Sie können als Zeichen der Zustimmung und Zugehörigkeit genutzt werden. Ein für die Manosphere typisches Meme ist beispielsweise Pepe der Frosch . Die genaue Bedeutung von Memes ist durch subtile subkulturelle Codes bestimmt, schnellen Verschiebungen unterworfen und für Erwachsene nur schwer zu erschliessen.
MGTOW ist die Abkürzung für Men Go Their Own Way und dient als Selbstbeschreibung von Männern, die im Gegensatz zu den Incels Beziehungslosigkeit – und insbesondere die damit assoziierte sexuelle und emotionale Unabhängigkeit von Frauen – nicht beklagen, sondern zur Qualität erheben. Männliche Selbstbestimmung und Souveränität erheben sie zum Leitbild.
Misogynie heisst wörtlich übersetzt «Frauenhass». Der Begriff bezeichnet einerseits eine persönliche Haltung, welche die Abwertung, Verachtung und Gewalt an Frauen nahelegt und rechtfertigt. Er ist andererseits ein politischer Begriff, der einen für patriarchale Gesellschaften charakteristischen Kreislauf beschreibt: Misogynie als Kontrollmechanismus bestimmt, wie Frauen sich verhalten sollen, und rechtfertigt Misogynie als Strafmechanismus bei Nicht-Einhaltung der Vorgaben.27
Pick-up Artists und ihre Vorläufer existieren in verschiedenen Ausprägungen seit den 1970er-Jahren. Ihr Ziel ist, möglichst schnell mit möglichst vielen Frauen sexuelle Kontakte anzubahnen. Dies wird zu einer Kunstform erhoben. Dating-Coaches vermitteln Techniken und Strategien, um Frauen durch Spiele, Skripte, Übungen und Routinen zu verführen.
Progressiv ist im vorliegenden Kontext der Oberbegriff für profeministische und emanzipatorische Strömungen von Männerarbeit/-bewegung/-politik, operationalisierbar in der gemeinsamen Überzeugung, dass gerechte Geschlechterverhältnisse die hälftige Verteilung aller bezahlten und unbezahlten Arbeiten zwischen den Geschlechtern bedeuten muss.
Die Metapher der «roten Pille» ist inspiriert vom Science-Fiction-Film «The Matrix» (1999), in dem der Protagonist die Wahl zwischen einer blauen und einer roten Pille hat. Die Einnahme der roten Pille ermöglicht ihm, die grausame Realität einer postapokalyptischen Menschheit zu erkennen, die von Maschinen so raffiniert beherrscht wird, dass deren Herrschaft dem Durchschnittsmenschen verborgen bleibt. Die durch die rote Pille der Manosphere offenbarte «Wahrheit» über die Welt lautet, dass die globale Ordnung von Feministinnen manipuliert sei. Männer seien Opfer einer gynozentrischen Verschwörung. Deshalb müssten sie die Kontrolle zurückerlangen. Diskussionen darüber, wie man andere «redpillt» (d.h. aufklärt) oder selbst «die rote Pille nimmt», nehmen grossen Raum ein. Personen mit abweichender Meinung sind «blue-pilled», also ahnungslose «Schafe».
Sigma Male ist neben dem Alpha Male das zweite positive Leitbild der Manosphere: der selbstgenügsame einsame Wolf, der diszipliniert und intellektuell überlegen seinen Weg geht, ohne auf Beziehung angewiesen zu sein. Als Prototyp des Sigma-Mannes gilt die Figur des Patrick Bateman im Film «American Psycho» (1991).
Sigma Boy ist ein Song resp. ein Internetphänomen aus dem Jahr 2024. Das Lied der russischen Bloggerinnen Betsy und Maria Iankovskaia wurde durch TikTok bekannt und popularisierte den Sigma Boy als Idealtypus eines selbstbewussten, geheimnisvollen Einzelgängers unter Jungen.
Simping ist eine abwertende Umschreibung eines als unterwürfig wahrgenommenen Werbens eines Mannes um die Aufmerksamkeit einer Frau.
Sozialisation bezeichnet den Prozess, in dessen Verlauf Menschen im Austausch und in Wechselwirkung mit der sozialen und materiellen Umgebung relativ dauerhafte Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsmuster entwickeln, die ihnen Orientierung darüber geben, was als normal und angemessen gilt.
Stacys In der Incel-Subkultur gebräuchliche Bezeichnung für Frauen, die angeblich dank ihrer körperlich-genetischen Ausstattung freie Wahl auf dem Sex- und Beziehungsmarkt haben.
Supreme Gentleman (abgekürzt: SG) In der Incel-Community gebräuchliche Referenz auf Elliot Rodger, der am 23. Mai 2014 beim Attentat in Isla Vista (Kalifornien) sechs Menschen getötet, 14 verletzt und anschliessend sich selbst gerichtet hat. In seinem Manifest «My Twisted World» beschreibt er seine antifeministisch-misogyne Weltsicht. Es gilt als eine der zentralen frühen Inspirationen der militanten Incel-Bewegung.
Toxische Männlichkeit ist ein Begriff, der die dominierende gesellschaftliche Vorstellung von Männlichkeit problematisiert, welche «Aggressivität zur Präsentation der eigenen Männlichkeit nahelegt und eine Unterordnung von Frauen befürwortet»28. Der Begriff ist unscharf definiert und wird im wissenschaftlichen Diskurs kaum verwendet. Fachlich wird beschreibend statt wertend eher von Männlichkeitsanforderungen, -normen, -imperativen etc. gesprochen (vgl. Männlichkeit).
Tradwives ist die Kurzform von «traditional wives» (traditionelle (Ehe-)Frauen) und bezeichnet einen Social Media-Trend, bei dem Influencerinnen weibliche Aufopferungsbereitschaft und Häuslichkeit idealisieren und stereotype Rollenverteilungen propagieren. Mutterschaft und die Versorgung des Ehemannes werden als zentrale Lebensaufgabe einer Frau dargestellt.
Lateinisch für «jenseits», bezeichnet Menschen, bei denen Geschlechtsidentität und Geschlechtskörper nicht übereinstimmen. Trans ist das Gegenteil von cis und ist die Kurzform für transgender. Die Nicht-Übereinstimmung mit dem biologischen Geschlechtskörper ist ein stabiles und zeitlich überdauerndes Identitätsmerkmal. Dadurch unterscheiden sich trans Menschen von Personen, die fallweise gern auch für das je andere Geschlecht typische Kleidung und Ausdrucksmittel nutzen (Transvestitismus).
Kurzformel einer Denkfigur, die (fälschlicherweise) behauptet, dass Gleichstellungsfortschritte von Frauen zwangsläufig entsprechende Verluste von Männern zur Folge haben müssen. Ein solch quantitativer Umverteilungsdiskurs ignoriert, dass auch Jungen und Männer profitieren, wenn sich Männlichkeitsnormen erweitern (z. B. weil sich ihre Möglichkeiten in der Berufswahl erweitern, wenn sie auch geschlechtsuntypische Berufe in Betracht ziehen).
Ein vertiefendes Glossar von demo:create, um Eltern, Lehrkräften und allen Interessierten den Einstieg in die App TikTok und deren Universum erleichtern.