Orientierung für Eltern und Fachpersonen: Willkommen auf der Plattform www.manosphere.ch der Fachstelle männer.ch
Was die Manosphere ist und wo sie beginnt, ist schwer fassbar. Viele fühlen sich unbewusst angezogen von Botschaften aus der Manosphere. Andere suchen bewusst nach Zugehörigkeit und Identität. Wichtig ist: Man(n) kann auch in den Sog der Manosphere geraten, ohne sich mit einer bestimmten Strömung der Manosphere zu identifizieren und ohne sich als Anhänger der Manosphere zu verstehen oder zu präsentieren. Entscheidend ist die Empfänglichkeit für die Denkfiguren der Manosphere.
Eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Gülay Çağlar von der Freien
Universität Berlin hat eine Landkarte der deutschsprachigen «Germanosphere» erstellt.7 Sie unterscheidet sieben Strömungen:
Dominante Männlichkeitsideale, Millionen von Klicks und ein digitaler Sog.
Das Berliner Team um Prof. Dr. Gülay Çağlar stellt als Ergebnis seiner empirischen Analyse für den deutschen Sprachraum eine erhebliche Vielfalt von Strömungen fest, die «von moderaten bis hin zu radikalen Orientierungen reicht, aber dennoch durch ein gemeinsames Fundament von MisogynieMisogynie: Misogynie heisst wörtlich übersetzt «Frauenhass». Der Begriff bezeichnet einerseits eine persönliche Haltung, welche die Abwertung, Verachtung und Gewalt an Frauen nahelegt und rechtfertigt. Er ist andererseits ein politischer Begriff, der einen für patriarchale Gesellschaften charakteristischen Kreislauf beschreibt: Misogynie als Kontrollmechanismus bestimmt, wie Frauen sich verhalten sollen, und rechtfertigt Misogynie als Strafmechanismus bei Nicht-Einhaltung der Vorgaben. verbunden ist. (…) Philosophische und religiöse Ansätze, die traditionelle Werte betonen, existieren neben pragmatischen, ergebnisorientierten Diskussionen über Themen wie Dating, Fitness und finanziellen Erfolg. (…) Die Misogynie der Manosphere überschneidet sich dabei oft mit anderen Formen der Diskriminierung, wie Sozialdarwinismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Anti-LGBTQIA+-Rhetorik, Antisemitismus und rechtsextremen Tendenzen, die sich häufig in anti-demokratischen oder anti-etablierten Haltungen äussern. Finanziell wird das Netzwerk durch Monetarisierungsstrategien wie exklusive kostenpflichtige Inhalte, Merchandise und Crowdfunding gestützt, während die Inhalte ein breites Spektrum abdecken – von KI-generierten Medien über Podcasts, Livestreams bis hin zu klassischen Social-Media-Beiträgen.»16
Auch ein australisches Forschungsteam um Vivian Gerrand17 identifiziert in der jüngeren Entwicklung der «Neo-Manosphere» eine zunehmende Kommerzialisierung und Monetarisierung. «Der Grossteil dieser Inhalte verbreitet den Mythos, dass jeder reich werden könne, wenn er nur hart genug arbeite, und dient oft als getarnte Werbung für die Nebenbeschäftigungen von Influencern». Männliche Unsicherheit wird bewusst ausgenutzt, um individuelle «Lösungen» für strukturelle Probleme zu verkaufen. «Die Manosphere ist nicht nur ein reaktionärer Ort des Grolls, sondern auch ein profitables digitales Unternehmen, das strukturelle Marginalisierung als persönliches Versagen umdeutet». Vivian Gerrand und ihr Team weisen zudem auf zwei wichtige Trends hin:
Dadurch erhält die Manosphere ein freundlicheres, weiblicheres und vielfältigeres Gesicht. Dies erleichtert es, ihre antifeministische Grundausrichtung zu verbergen.