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WISSEN/

Strömungen

Alpha-MannAlpha-Mann: Alpha-Männlichkeit ist eine in der Manosphere gebräuchliche Kurzformel für Leitvorstellungen von Männlichkeit, die von Männern Dominanz und Durchsetzungsvermögen, Härte und Stärke, Souveränität und Unabhängigkeit einfordern. Hypermaskulinität ist ein eng verwandtes Konzept.  , IncelIncel: Abkürzung für Involuntary Celibates (deutsch: unfreiwillig Alleinstehende oder unfreiwillig Sexlose). Diesen Begriff nutzt ein bestimmtes Milieu von psychisch stark belasteten (jungen) Männern zur Selbstbeschreibung. Sie deuten Rückweisungen durch Frauen und ihre damit verbundenen Kränkungen als Resultat einer widernatürlichen Umkehrung der vermeintlich naturgegebenen Geschlechterordnung. Daran schuld seien Frauenemanzipation und Feminismus. Das Phänomen ist primär im virtuellen Raum (Manosphere) verankert, führt aber auch zu ganz realen Gewalttaten.   oder Sigma-BoySigma-Boy: Sigma Boy ist ein Song resp. ein Internetphänomen aus dem Jahr 2024. Das Lied der russischen Bloggerinnen Betsy und Maria Iankovskaia wurde durch TikTok bekannt und popularisierte den Sigma Boy als Idealtypus eines selbstbewussten, geheimnisvollen Einzelgängers unter Jungen.: In der Manosphere gibt es unterschiedlichste Strömungen und Leitfiguren. Das antifeministische Grundrauschen ist das verbindende Element.

DER SOG DER

MANOSPHERE

Pick-up Artists
Pick-up ArtistsPick-up Artists: Pick-up Artists und ihre Vorläufer existieren in verschiedenen Ausprägungen seit den 1970er-Jahren. Ihr Ziel ist, möglichst schnell mit möglichst vielen Frauen sexuelle Kontakte anzubahnen. Dies wird zu einer Kunstform erhoben. Dating-Coaches vermitteln Techniken und Strategien, um Frauen durch Spiele, Skripte, Übungen und Routinen zu verführen.   erheben es zur Kunstform, möglichst schnell mit möglichst vielen Frauen sexuelle Kontakte anzubahnen. Frauen sind für sie Objekte und Trophäen. Pick-up Artists verfolgen zwar keine offensiv antifeministische Agenda, vertreten aber wissenschaftlich unhaltbare Vorstellungen naturgegebener Geschlechterrollen. Ab 2013 wurden die Pick-Up-Artists von Men’s Rights ActivistsMen’s Rights Activists: Maskulismus oder Maskulinismus resp. Männerrechtsaktivismus (für Personen: Maskulisten/Maskulinisten oder Männerrechtler). Weltanschaulich-ideologische Strömung, die (weisse heterosexuelle cis) Männer als betrogenes Geschlecht und Verlierer der weiblichen Emanzipationsbewegung betrachtet. Männerrechtler (in der Literatur oft abgekürzt mit MRA = Men’s Rights Activists) nehmen für sich in Anspruch, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten und sehen es dabei als ihre Aufgabe, (vermeintliche) Benachteiligungen von Männern anzuprangern. Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und sehr selektiv angewendeten Gleichstellungsbegriff voraus.  als aktivste Gruppierung der Manosphere verdrängt. Parallel dazu begann mit dem Subreddit r/MensRights die Geschichte der Manosphere auf Reddit (eine zentrale Plattform in der Entstehung der Manosphere). Heute haben MännlichkeitscoachesMännlichkeitscoaches: Manfluencer sind in den sozialen Medien präsente Männlichkeitscoaches, die Philosophien und Dienstleistungen rund um das Thema Mannsein anbieten. Neben dem Bereich des Flirt- und Beziehungscoachings sind vor allem die Themen Muskeln, Gesundheit, Status, Geld(anlagen) und Karriere zentral. Leitmotiv ist die neoliberal-individualistische Idee, dass sich Männer durch bewusste Performanz von «Männlichkeit» selbst optimieren können und müssen – und erst damit Erfolg und Zufriedenheit erreichen.  «die Pick-up Artists abgelöst und die Verführungsindustrie mit einem deutlich lukrativeren und populäreren Unterfangen neu erfunden».8
Men Go Their Own Way (MGTOW) ist die Selbstbeschreibung von Männern, die Beziehungslosigkeit und die sexuelle und emotionale Unabhängigkeit von Frauen nicht beklagen, sondern als Leistung und Auszeichnung sehen. Während einige MGTOW noch Sexualkontakte haben oder Sexarbeiterinnen aufsuchen, lehnen sie die Idee langfristiger Beziehungen generell ab. «Sie glauben, dass Frauen sie benutzen, manipulieren und in eine Falle locken, um über die Beziehung auf ihr Geld, ihren Status und ihr Sperma zuzugreifen»9. MGTOW wähnen sich Frauen von Natur aus überlegen. Sie behaupten, Scheidungsgesetze und das Rechtssystem richteten sich gegen Männer. Die Gesellschaft sei nicht androzentrischAndrozentrismus: Androzentrismus beschreibt den Umstand, dass in patriarchal geprägten Gesellschaften ›das Männliche‹ (z. B. der männliche Blick oder der männliche Körper) die Norm darstellt, ohne dass diese Setzung thematisiert, hinterfragt und/oder sichtbar gemacht wird. Pierre Bourdieu spricht deshalb auch vom ›androzentrischen Unbewussten‹.20 Die männliche Perspektive gilt als neutral und universal, die weibliche Perspektive dagegen als Abweichung und Sonderfall. Der Gegenbegriff ist Gynozentrismus. Weil der gesellschaftliche Androzentrismus in patriarchal geprägten Gesellschaften wie unserer noch nicht bearbeitet wurde, übernehmen viele Jungen im Lauf ihres Aufwachsens eine androzentrische Anspruchshaltung (und meinen fälschlicherweise, als Jungen resp. Männer einen legitimen Anspruch auf ein «grösseres Stück vom Kuchen» zu haben).  , sondern privilegiere Frauen grundsätzlich. GynozentrismusGynozentrismus: Gynozentrismus bezeichnet die Fokussierung auf Perspektiven und Anliegen von Frauen. Er wird vor allem als antifeministischer Kampfbegriff von Männern verwendet, die sich als Emanzipationsverlierer sehen und Frauen – entgegen aller Empirie – als Profiteure des Patriarchats darstellen. Sie behaupten einen gesellschaftlich und staatlich verankerten Gynozentrismus und Männerhass (Misandrie).  und FeminismusFeminismus: Feminismus Sammelbegriff für eine grosse Bandbreite erkenntnistheoretischer Ansätze und zivilgesellschaftlicher Strömungen. Sie sind verbunden sind in der Einsicht, dass Geschlecht eine zentrale Ordnungskategorie darstellt, die Herrschaftsinteressen dient, individuelle Freiheitsgrade einschränkt und gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse reproduziert. Diese Mechanismen zementieren eine strukturelle Privilegierung des Männlichen, unter der Frauen, Andersgeschlechtliche, Anderssexuelle, aber auch viele Männer leiden.  Feminismus würden die Gesellschaft zugrunde richten.
IncelsIncels: Abkürzung für Involuntary Celibates (deutsch: unfreiwillig Alleinstehende oder unfreiwillig Sexlose). Diesen Begriff nutzt ein bestimmtes Milieu von psychisch stark belasteten (jungen) Männern zur Selbstbeschreibung. Sie deuten Rückweisungen durch Frauen und ihre damit verbundenen Kränkungen als Resultat einer widernatürlichen Umkehrung der vermeintlich naturgegebenen Geschlechterordnung. Daran schuld seien Frauenemanzipation und Feminismus. Das Phänomen ist primär im virtuellen Raum (Manosphere) verankert, führt aber auch zu ganz realen Gewalttaten.  (Involuntary Celibates, d.h. «unfreiwillig Sex- oder Beziehungslose») sind meist junge Männer, die trotz Beziehungswunsch keine Freundin und/oder Sexualpartnerin finden und darunter leiden. Ihre Sex- und Beziehungslosigkeit schreiben sie ihrer mangelnden Attraktivität zu. Incels teilen Menschen in drei Kategorien auf10: Die superattraktiven ChadsChads: In der Incel-Subkultur gebräuchliche Bezeichnung für Männer, die angeblich dank ihrer körperlich-genetischen Ausstattung freie Wahl auf dem Sex- und Beziehungsmarkt haben.  und StacysStacys: In der Incel-Subkultur gebräuchliche Bezeichnung für Frauen, die angeblich dank ihrer körperlich-genetischen Ausstattung freie Wahl auf dem Sex- und Beziehungsmarkt haben.  , die sich auf dem Sex- und Beziehungsmarkt frei bedienen können, gefolgt von den durchschnittlich attraktiven BetasBetas: In der Incel-Subkultur gebräuchliche Bezeichnung für mittelmässig attraktive Männer. Becky ist die entsprechend Chiffre für eine durchschnittlich attraktive Frau. Betas und Beckies werden auch als Normies bezeichnet. oder «Normies». Am Ende der Hierarchie stehen die unattraktiven Männer, die allein bleiben: die Incels. Die für Incels typische Verbindung von Selbstmitleid und Wut wurzelt in der Behauptung, dass Männer ein naturgegebenes Recht auf Sex resp. auf die Beziehung mit einer Frau hätten. Die Emanzipation der Frauen würde nun dieses evolutionäre Prinzip aushebeln und unattraktive Männner zu den eigentlich Leidtragenden des Feminismus machen. Incels sind eine psychisch stark belastete Gruppe.11 Jeder Dritte berichtet von täglichen Suizidgedanken12. Incel-Foren enthalten oft stark misogyneMisogynie: heisst wörtlich übersetzt «Frauenhass». Der Begriff bezeichnet einerseits eine persönliche Haltung, welche die Abwertung, Verachtung und Gewalt an Frauen nahelegt und rechtfertigt. Er ist andererseits ein politischer Begriff, der einen für patriarchale Gesellschaften charakteristischen Kreislauf beschreibt: Misogynie als Kontrollmechanismus bestimmt, wie Frauen sich verhalten sollen, und rechtfertigt Misogynie als Strafmechanismus bei Nicht-Einhaltung der Vorgaben. und gewaltlegitimierende Inhalte. Der gewaltvolle Frauenhass der Incel-Ideologie hat in den USA und Kanada wiederholt tödliche Anschläge motiviert. Einige Incels verehren die Täter dieser Anschläge. Eine generelle Dämonisierung dieser jungen Männer ist aber fachlich nicht angezeigt, insofern die Incel-Ideologie primär für ihre Anhänger selbst eine Gefährdung darstellt.13
Men’s Rights Activists (MRA) – im Deutschen ist die Kurzform MännerrechtlerMännerrechtler: Maskulismus oder Maskulinismus  resp. Männerrechtsaktivismus (für Personen: Maskulisten/Maskulinisten oder Männerrechtler). Weltanschaulich-ideologische Strömung, die (weisse heterosexuelle cis) Männer als betrogenes Geschlecht und Verlierer der weiblichen Emanzipationsbewegung betrachtet. Männerrechtler (in der Literatur oft abgekürzt mit MRA = Men’s Rights Activists) nehmen für sich in Anspruch, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten und sehen es dabei als ihre Aufgabe, (vermeintliche) Benachteiligungen von Männern anzuprangern. Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und sehr selektiv angewendeten Gleichstellungsbegriff voraus.  Männerrechtsaktivismus (für Personen: Maskulisten/Maskulinisten oder Männerrechtler). Weltanschaulich-ideologische Strömung, die (weisse heterosexuelle cis) Männer als betrogenes Geschlecht und Verlierer der weiblichen Emanzipationsbewegung betrachtet. Männerrechtler (in der Literatur oft abgekürzt mit MRA = Men’s Rights Activists) nehmen für sich in Anspruch, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten und sehen es dabei als ihre Aufgabe, (vermeintliche) Benachteiligungen von Männern anzuprangern. Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und sehr selektiv angewendeten Gleichstellungsbegriff voraus. oder der Begriff MaskulinistenMaskulinisten: Maskulismus oder Maskulinismus resp. Männerrechtsaktivismus (für Personen: Maskulisten/Maskulinisten oder Männerrechtler). Weltanschaulich-ideologische Strömung, die (weisse heterosexuelle cis) Männer als betrogenes Geschlecht und Verlierer der weiblichen Emanzipationsbewegung betrachtet. Männerrechtler (in der Literatur oft abgekürzt mit MRA = Men’s Rights Activists) nehmen für sich in Anspruch, für die Gleichstellung der Geschlechter einzutreten und sehen es dabei als ihre Aufgabe, (vermeintliche) Benachteiligungen von Männern anzuprangern. Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und sehr selektiv angewendeten Gleichstellungsbegriff voraus.   gebräuchlicher – bilden eine mehr oder weniger lose organisierte Gemeinschaft, die verbunden ist durch den Glauben, dass Männer durch den Feminismus benachteiligt werden. Sie vertreten die Auffassung, dass eine maskulinistische Gegenbewegung notwendig sei: In einer moderaten Perspektive, um «echte» Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu erreichen – in einer radikalen Perspektive, um die patriarchale Geschlechterordnung wiederherzustellen. Die Denkfigur «echter» Gleichstellung löst das Individuum aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang und tut so, als habe (Geschlechter-)Gerechtigkeit keine strukturelle Dimension (und beispielsweise die familiäre Arbeitsteilung keinen Zusammenhang mit strukturellen Faktoren wie Lohnungleichheit oder Stereotypen bei der Berufswahl). So verschleiert der Ruf nach «Gleichberechtigung» das Begehren, strukturelle Privilegien von Männern zu bewahren. Werden ihnen diese verwehrt, sehen sich Männerrechtler als Opfer des «Staatsfeminismus». Männerrechtler versuchen häufig, ihre Argumente statistisch zu untermauern und wissenschaftlich zu rahmen. Ein roter Faden sind Themen rund um Gesundheit, Verletzlichkeit und Opferschutz. Tatsächlich bestehende Probleme (beispielsweise die höhere Suizidrate oder die Gewaltbetroffenheit von Männern im öffentlichen Raum) werden dabei aus dem soziohistorischen Zusammenhang gerissen. Selektiv ausgewählte «Gleichstellungsdefizite bei Jungen/Vätern/Männern werden propagandistisch als ‘Köder’» genutzt.14 Auch Männerrechtler behaupten, dass die Gesellschaft «gynozentrisch» organisiert sei und Männern unverhältnismässig hohe finanzielle und emotionale Lasten aufbürde. Die militanteren Strömungen der Väterbewegung – die Väterrechtsaktivisten – können als Teilgruppe der Männerrechtsbewegung verstanden werden. Sie sind meist von Trennung und Scheidung betroffene Männer, die aufgrund ihrer Erfahrungen mit Behörden und Gerichten zum Schluss gelangen, dass Väter durch den Feminismus unverhältnismässig benachteiligt würden, insbesondere hinsichtlich Besuchsrechten, Kinderbetreuung und Kindesunterhalt. Wiederkehrende Themen sind elterliche Entfremdung und die bei Behörden und Gerichten vermutete Voreingenommenheit in Scheidungs- und Sorgerechtsverfahren. In der Schweiz vertreten die meisten Organisationen der von Trennung und Scheidung betroffenen Männer moderate Positionen.
RedpillerRed Pill: Die Metapher der «roten Pille» ist inspiriert vom Science-Fiction-Film «The Matrix» (1999), in dem der Protagonist die Wahl zwischen einer blauen und einer roten Pille hat. Die Einnahme der roten Pille ermöglicht ihm, die grausame Realität einer postapokalyptischen Menschheit zu erkennen, die von Maschinen so raffiniert beherrscht wird, dass deren Herrschaft dem Durchschnittsmenschen verborgen bleibt. Die durch die rote Pille der Manosphere offenbarte «Wahrheit» über die Welt lautet, dass die globale Ordnung von Feministinnen manipuliert sei. Männer seien Opfer einer gynozentrischen Verschwörung. Deshalb müssten sie die Kontrolle zurückerlangen. Diskussionen darüber, wie man andere «redpillt» (d.h. aufklärt) oder selbst «die rote Pille nimmt», nehmen grossen Raum ein. Personen mit abweichender Meinung sind «blue-pilled», also ahnungslose «Schafe».  sind weniger eine zusätzliche Strömung innerhalb der Manosphere als ein Bindeglied zwischen den Strömungen. Die Metapher der «roten Pille» ist ein zentrales Motiv in der Manosphere. Der Begriff stellt zwei kulturelle Bezüge her: Einerseits zum Spielfilm «The Matrix» (1999), in dem Hauptdarsteller Keanu Reeves nach Einnahme einer roten Pille mit einem Schlag durchschaut, wie das herrschende System die ganze Wirklichkeit systematisch manipuliert. Andererseits zum Dokumentarfilm «Red Pill» von Cassie Jaye (2016). Dieser dokumentiert die Männerrechtbewegung in den USA. Der Titel des Films steht als Metapher für das plötzliche Erkennen der «Wahrheit»: Im Film nimmt die ursprünglich feministische Regisseurin im Lauf ihrer Recherche wahr, dass sie der angeblich falschen Vorstellung aufgesessen sei, wir würden in einem patriarchalen System leben, in dem Männer das privilegierte und dominante Geschlecht seien. Die durch die rote Pille der Manosphere offenbarte «Wahrheit» über die Welt laute aber, dass die globale Ordnung von Feministinnen manipuliert sei und Männer die Kontrolle zurückerlangen müssten, da sie sonst Opfer einer gynozentrischenGynozentrismus: Gynozentrismus bezeichnet die Fokussierung auf Perspektiven und Anliegen von Frauen. Er wird vor allem als antifeministischer Kampfbegriff von Männern verwendet, die sich als Emanzipationsverlierer sehen und Frauen – entgegen aller Empirie – als Profiteure des Patriarchats darstellen. Sie behaupten einen gesellschaftlich und staatlich verankerten Gynozentrismus und Männerhass (Misandrie). Verschwörung werden. Diskussionen darüber, wie man andere «redpillt» (d.h. «aufklärt») sind zentral für diese Ideologie. Um ihre Behauptung männlicher Überlegenheit zu untermauern, bedienen sich Redpiller evolutionsbiologischer Annahmen und Vorstellungen naturgegebener Geschlechtlichkeit. Die Ideologie der roten Pille ist zudem mit anderen Verschwörungsnarrativen verflochten (wie dem «Grossen Austausch» oder der Überzeugung, dass Feministinnen und «jüdische Globalisten» die Weltordnung zu ihrem Profit manipulieren). Andrew Tate gilt als Leitfigur der globalen Redpill-Bewegung.
Männlichkeitscoaches sind in den sozialen Medien präsente Männer, die Philosophien und Dienstleistungen rund um das Thema Mannsein anbieten. Es hat sich auch der Begriff ManfluencerManfluencer: Manfluencer sind in den sozialen Medien präsente Männlichkeitscoaches, die Philosophien und Dienstleistungen rund um das Thema Mannsein anbieten. Neben dem Bereich des Flirt- und Beziehungscoachings sind vor allem die Themen Muskeln, Gesundheit, Status, Geld(anlagen) und Karriere zentral. Leitmotiv ist die neoliberal-individualistische Idee, dass sich Männer durch bewusste Performanz von «Männlichkeit» selbst optimieren können und müssen – und erst damit Erfolg und Zufriedenheit erreichen.   eingebürgert. Ihr Auftritt ist in der Regel betont selbstbewusst und bedient Leitbilder raumgreifender (Alpha-)Männlichkeit(Alpha-)Männlichkeit: Alpha-Männlichkeit ist eine in der Manosphere gebräuchliche Kurzformel für Leitvorstellungen von Männlichkeit, die von Männern Dominanz und Durchsetzungsvermögen, Härte und Stärke, Souveränität und Unabhängigkeit einfordern. Hypermaskulinität ist ein eng verwandtes Konzept.  . Ihre Zielgruppe sind Jungen, männliche Jugendliche und Männer, die im aktuellen Umbruch der Geschlechterverhältnisse verunsichert darüber sind, was zeitgemässes Mannsein bedeutet. Manfluencer unterstützen diese Männer aber nicht auf dem Weg zur individuellen Entwicklung, sondern bei der Wiederbelebung einer angeblich verschütteten, gezähmten oder verlorenen «echten Männlichkeit». Emotionalität wird als schwach und unmännlich abgewertet. Der Rekurs auf verloren gegangene Männlichkeitsideale liefert den entscheidenden Hinweis, um transformative Unterstützungsangebote für Männer von männlichkeitsdeologischen zu unterscheiden. Das ist deshalb wichtig, weil Männlichkeitscoaches in allen «Tonlagen» zu finden sind. Längst nicht alle bedienen sich der gewaltförmigen Ansprache eines Andrew Tate (der selber auch vielseitige Tonlagen bespielt). Auch der Anschluss an esoterisch-spirituelle Strömungen ist offen. Eine zentrale Denkfigur ist die Idee einer «männlichen Energie», die befreit werden müsse. Dabei geht es nicht nur um Stärke, Härte und Unabhängigkeit, sondern auch um «weichere» Facetten von Männlichkeit. Diese werden aber wiederum mit essentialistischenEssentialismus: Essentialismus beschreibt die Überzeugung, das biologische Geschlecht (sex) präge, bestimme und erkläre das soziale Geschlecht (gender) abschliessend. Daraus ergibt sich die Vorstellung einer natur- und/oder gottgegebenen Geschlechterordnung mit einer grundsätzlichen Andersartigkeit der Geschlechter. Das Fundament essentialistischer Geschlechtervorstellungen bilden Mythen, die gern – unzulässigerweise – als Gesetzmässigkeiten der (Natur-)Wissenschaft oder zumindest des gesunden Menschenverstands dargestellt werden. Was ein «richtiger Mann» und «eine richtige Frau» ist, sei durch Natur und/oder Gott vorgegeben. Spielräume und Übergänge sind keine vorgesehen. Mannsein und Frausein werden dadurch ihrer Gestaltbarkeit beraubt. Männlichkeitsvorstellungen gefüllt (z. B. Fürsorglichkeit mit der Anforderung, starke Schulter und Fels in der Brandung zu sein; Väterlichkeit mit der Anforderung, seine Familie auch mit Gewalt vor allem Feindlichen zu bewahren). Neben dem Bereich des Flirt- und Beziehungscoachings sind vor allem die Themen Muskeln, Gesundheit, Status, Geld(anlagen) und Karriere zentral. Leitmotiv ist die neoliberal-individualistische Idee, dass sich Männer durch bewusst «männliches Verhalten» selbst optimieren können und müssen – und erst damit Erfolg und Zufriedenheit erreichen. Durch die Betonung von männlichen Selbsthilfe-Hacks und dem vordergründigen Interesse am Wohlbefinden von Männern wird das «antifeministische Grundrauschen» übertönt.15

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